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Porträts
Der doppelte Castro PDF Drucken

Von Martin Klingst und Thomas Schmid - © DIE ZEIT, 03.08.2006
Auf Fidel folgt Raúl. Der große und der kleine Bruder könnten unterschiedlicher kaum sein - und haben doch über 50 Jahre lang zusammengehalten. Jetzt kehrt sich ihr Verhältnis um.

Am Silvestertag 1958 hält Fidel Castro schriftlich fest: »Mich persönlich interessiert die Macht nicht, und ich denke auch nicht daran, sie zu übernehmen.« Neun Tage später zieht er unter dem Jubel der Bevölkerung mit seinen Guerilleros in Kubas Hauptstadt Havanna ein. Die Revolution hat gesiegt – und Castros Versprechen war passé –, für fast ein halbes Jahrhundert. Nur einer hat sich gehalten in all diesen Jahren neben ihm, hinter ihm, in seinem Schatten: Raúl Castro, der fünf Jahre jüngere Bruder und Stellvertreter, der Verteidigungsminister und die unbestrittene Nummer zwei. Jetzt, kurz vor seinem 80. Geburtstag am 13. August, ist Fidel an einem Darmleiden erkrankt. Und so legt der Staats-, Partei-, Regierungschef und große Bruder alle Ämter in die Hände des kleinen. Für einige Wochen jedenfalls, sagt Fidel. Vielleicht für immer, sagen Beobachter.

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Der italienische Traum PDF Drucken

Thomas Schmid, FACTS, 23.03.2006*



Alle Umfragen sprechen gegen ihn, doch für Überraschungen ist Silvio Berlusconi immer gut. Wie kein anderer versteht er es, die politische Landschaft zu polarisieren. Werden die Italien ihn im April wieder wählen?



Die Lage ist dramatisch. Auf dem Spiel steht nicht weniger als das Schicksal Italiens. Und so lancierte Umberto Eco im einen Appell an die Öffentlichkeit: „Rettet die Demokratie!" Weitere fünf Jahre Berlusconi, warnte der Schriftsteller, der sich mit seinem Roman „Der Name der Rose" Weltruhm erworben hat, würden zu einem nicht mehr aufzuhaltenden Niedergang des Landes führen. „Ich gehe dann in Pension", kündigte der Literat an, „und ziehe ins Ausland um." Eine Reihe prominenter Intellektueller unterschrieb den Appell. Und schliesslich kam sogar der konservative „Corriere della Sera", die auflagenstärkste Zeitung Italiens, aus der Deckung.

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Die Stunde des Comandante PDF Drucken
Thomas Schmid - Berliner Zeitung - 10.03.2001
Friedlich marschiert der maskierte Marcos mit den indianischen Führern der Zapatisten auf Mexiko-City

Neben den Arkaden stand ein Mann der Presse Rede und Antwort. Er war von weißer Hautfarbe und hob sich von den anderen ab. Er war schwarz gekleidet und trug einen Wollumhang, der ihn ziemlich korpulent erscheinen ließ. Wie alle andern auch verbarg er sein Gesicht mit einer schwarzen Wollmaske. Über seiner Brust kreuzten sich zwei Patronengurte, zudem trug er ein leichtes automatisches Gewehr. Am Gürtel steckte ein Funkgerät. Die Personen, die um ihn herumstanden, hörten, dass seine Leute ihn Kommandant oder Subkommandant nannten. Er war anders als alle andern.
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Abschied - Ciao, Werner PDF Drucken
THOMAS SCHMID - TAZ - 5.3.2001
"Guten Tag, Herr Raith, ich möchte Sie gerne kennen lernen, ich bin von der taz und bin gerade in Rom."

- "Um 17 Uhr am Bahnhof von Terracina, ich hol dich ab. Ich bin ein kleiner dicker Bayer mit Bart, du kannst mich gar nicht übersehen, und überdies heiße ich für dich sofort Werner, damit das klar ist!" Das war 1985 und der Anfang einer schwierigen Freundschaft, die bis zu seinem Tode am Samstag dauerte. Vom Bahnhof aus fuhr mich Werner mit seinem alten Ford direkt zum antiken Jupitertempel hoch, der über der Stadt thront. Eine Viertelstunde hin, fünf Minuten Pause, eine Viertelstunde zurück. Danach wusste ich, dass Werner zum dritten Mal verheiratet war, drei Töchter hat, mit dem Wagenbach Verlag im Clinch lag, selbst einmal einen Verlag gegründet hatte, für diverse Rundfunkstationen arbeitete, gerade an einem Buch über die Mafia schrieb, zweimal habilitiert war, vorübergehend in Palermo unterrichtet hatte, gerne kochte, als Kind einem versteckten Nazi-Gegner Essen gebracht hatte und vieles andere mehr. Denn Werner Raith redete unheimlich schnell.

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Mode aus der Dose PDF Drucken

Thomas Schmid, DIE WELTWOCHE, 26.10.2000


Die Recycling- und Performancekünstlerin Chusa Lanzuela alias Miss Lata macht aus Müll Schmuck und Taschen

Die Kinder lachen ungeniert, die Erwachsenen tuscheln, wenn sie ihr in der Berliner U-Bahn begegnen. Denn Chusa Lanzuela trägt eine verbeulte Tomatendose auf dem Kopf, ohne Boden und ohne Decken, und oben sprudelt wie eine Fontäne ihr langes Haar heraus, um sich dann nach unten zu ergiessen. Die Dose ist das Markenzeichen von Miss Lata, wie sich die 37-jährige Recycling- und Performancekünstlerin im Berufsleben und auf ihrer Visitenkarte nennt. "Lata" ist spanisch und heisst auf Deutsch eben "Dose" oder auch "Blech".

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Franketienne PDF Drucken
Thomas Schmid - Berliner Zeitung - 06.05.2000
Der blutrote Garten Haitis berühmter Schriftsteller, Maler und Dramaturg lebt hinter einer hohen Mauer mitten in Port-au-Prince. Seine Romane und Gedichte erzählen vom Drama des Exils, von Träumen und Gewalt

Seine Nachbarn tuschelten, hielten ihn für verrückt, doch Franketienne baute eine sieben Meter hohe Mauer um sein Anwesen. Das war 1976. Damals herrschte Jean-Claude Duvalier alias "Baby Doc" über Haiti und hielt sein Volk mit 300 000 "Tontons Macoutes" in Schach, mit der Geheimpolizei, die sein Vater "Papa Doc", einer der bizarrsten und blutrünstigsten Diktatoren der lateinamerikanischen Geschichte, einst gegründet hatte. In seinem Roman "Die Stunde der Komödianten" hat Graham Greene den bald subtilen, bald brutalen Terror beschrieben, der damals in Haiti die Gesellschaft zersetzte und lähmte. Franketienne war ein notorischer Gegner der Diktatur. Hinter der hohen Mauer fühlte er sich sicherer.
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Coca-Cola für Mexiko PDF Drucken
Thomas Schmid - © DIE ZEIT 2000
Überraschungssieg für Vicente Fox: Der Unternehmer und Katholik hat dem Land eine moderne Zukunft versprochen

Vicente Fox redet viel und sagt wenig. Insofern ist er kein ungewöhnlicher Politiker. Doch andererseits hat er es wie keiner geschafft, was er zu sagen hat, auch knapp auszudrücken. Mit zwei Buchstaben kämpfte er um die Macht: "Ya!" - "Jetzt reicht's!" Zwei Buchstaben gegen 71 Jahre. So lange hatte die mexikanische Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) die Macht inne - in der modernen Weltgeschichte nur von der KPdSU übertroffen, die 74 Jahre schaffte. Nun hat der Vielredner mit der knappen Botschaft das Ende des Regimes besiegelt, das der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa einst für eine "perfekte Diktatur" gehalten hat. Am 1. Dezember wird Fox die Präsidentschaft Mexikos antreten. Es waren die ersten freien und weitgehend auch fairen Wahlen im größten spanischsprachigen Land der Welt.
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Der Blick in die Welt, Thomas Schmid