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Der Staat als Beute PDF Drucken

Thomas Schmid, Berliner Zeitung, 26.07.2012


Die Rumänen stimmen am Sonntag darüber ab, ob ihr Präsident Traian Basescu wieder in sein Amt gesetzt wird. Premier Victor Ponta hat ihn vor drei Wochen kaltgestellt. Seitdem tobt ein Machtkampf, in dem demokratische Regeln nichts mehr gelten.


BUKAREST. Selbst die Hunde liegen träge in den Schatten der Hausmauern und dösen vor sich hin. Über 200000 sollen es sein, sie streifen herrenlos durch die Stadt, manchmal tauchen sie in Rudeln auf und werden gefährlich. Aber nun haben auch sie kapituliert. Es sind 38 Grad Celsius in Bukarest, die Sonne brennt erbarmungslos. Die Menschen stöhnen.
Doch einem kommt die Hitze wohl gelegen: Traian Basescu, dem vor drei Wochen vom Parlament abgesetzten Staatspräsidenten. Am Sonntag entscheiden die Rumänen in einer Volksabstimmung, ob er wieder in sein Amt gesetzt wird oder endgültig abtreten muss. Viele sind vor der Hitze in die Berge geflüchtet oder ans Schwarze Meer, viele werden in ihren kühlen Häusern bleiben und noch mehr haben ohnehin genug von Politik und Politikern. Wenn weniger als die Hälfte der Wahlberechtigten zu den Urnen geht, gilt das Referendum als gescheitert. Basescu, einst Schiffskapitän der rumänischen Handelsflotte, darf dann wieder ins Schloss Cotroceni ziehen, in die Residenz des Präsidenten. Genau das strebt die Opposition an, deshalb ruft sie zum Boykott des Referendums auf.

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Der Tag der Entscheidung PDF Drucken

Thomas Schmid, Berliner Zeitung, 15.06.2012


Am Sonntag wählen die Griechen ein neues Parlament. Ein Besuch bei ein paar Wählern, von denen jeder eine ganz eigene Wahrheit zu haben scheint.


ATHEN. Ein Gespenst geht um in Athen. Es verbreitet Angst und hat einen Namen: Grexit. Dies ist das Kürzel für Griechenlands Exit aus der Eurozone. Die Griechen räumen ihre Konten. Dreistellige Millionenbeträge werden täglich von den Banken abgezogen. Wenn die vom charismatischen Alexis Tsipras geführte Linkspartei Syriza am Sonntag die Wahlen gewinnt, werde das Land zur Drachme zurückkehren müssen und letztlich kollabieren: Mit dieser bald offen, bald unterschwellig vorgetragenen Botschaft werden die Griechen seit Tagen bombardiert - aus dem Inland mit Vorliebe von jenen Parteien, die den Schlamassel zu verantworten haben, aus dem Ausland vor allem von den Deutschen, auf die manch einer seine Aggression projiziert.

Angst vor dem Kollaps? Ilias Katsogiannis setzt ein gequältes Lächeln auf. Bei ihm ist der längst angekommen. Der 35-Jährige raucht

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Landlust PDF Drucken

Thomas Schmid, Berliner Zeitung, 05.052012


Die Krise drückt, doch die Griechen verzagen nicht. Grün ist die Hoffnung: Sie werden Bauern, gründen Kartoffel-Bürgerinitiativen oder erfinden neue Währungen.


THESSALONIKI. Der schlaksige Mann bückt sich, zupft einige Blättchen von seinen Pflanzen, zerreibt sie zwischen Daumen und Zeigefinger und hält dem Besucher Krümel unter die Nase. "Hier, riech mal!" Thymian, Oregano, Rosmarin, Lavendel. Grigoris ist stolz auf sein kleines Paradies, in dem auch Rhabarber und Rote Bete wachsen. Und mitten zwischen Salaten und Tomaten steht ein junger Olivenbaum. Noch ist sein Holz geschmeidig und glatt. Früchte wird er bestenfalls in fünf Jahren tragen, vielleicht auch erst in zehn. Ob Grigoris sie je pflücken wird, weiß er nicht. Wie lange wird er, der seinen Nachnamen lieber nicht in der Zeitung lesen will, es hier allein aushalten? Der 19-Jährige, aufgewachsen in Thessaloniki, der zweitgrößten Stadt Griechenlands, ist nach dem Abitur aufs Land gezogen, nach Epanomi, ins leer stehende Haus seiner Großeltern auf der Halbinsel Chalkidiki.

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Die geraubten Jahre PDF Drucken

Thomas Schmid, Berliner Zeitung, 10.04.2012


Sie wurden geschlagen, gedemütigt und missbraucht. Zehntausende von Schweizern mussten in ihrer Jugend wie Leibeigene auf Bauernhöfen schuften. Nach langem Schweigen verlangen die ehemaligen Verdingkinder nun Wiedergutmachung.


BERN. Es ist ein erhabenes Panorama. Am Horizont leuchten Eiger, Mönch und Jungfrau, das majestätische Dreigestirn der Berner Alpen. Föhnlage herrscht, der Fallwind sorgt für klare Fernsicht. Die verschneiten Berge, scharf konturiert, sind zum Greifen nahe, davor zieht sich eine sanfte Hügellandschaft dahin. "Dort", sagt Hugo Zingg und zeigt auf den grünen Streifen vor dem strahlenden Weiß, "dort liegt das Gürbetal.

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Halb Bürger und halb Untertan PDF Drucken

Thomas Schmid, Berliner Zeitung,17.03.2012

Im Fürstentum Liechtenstein will eine Initiative die Macht des Monarchen beschneiden - der droht beleidigt, sein Volk zu verlassen.

VADUZ. Das Schloss steht auf einer Felsterrasse, fast senkrecht über dem Städtchen, das sich, über hundert Meter weiter unten, an den steilen Berghang schmiegt. Die Verhältnisse sind klar. Oben der Fürst, unten das Volk. Kein europäischer Monarch hat so viel Macht wie Seine Durchlaucht Johannes Adam Ferdinand Alois Josef Maria Marko d'Aviano Pius von und zu Liechtenstein, kurz Fürst Hans-Adam II., geboren 1945, oder sein erst 43-jähriger Sohn, Seine Durchlaucht Erbprinz Alois, den er 2004 mit der Ausübung der fürstlichen Hoheitsrechte betraut hat. Doch nun will ein Initiativkomitee Unterschriften sammeln, um eine Volksabstimmung zu erzwingen. Es will durchsetzen, dass Volksentscheide künftig auch ohne das Plazet des Fürstenhauses Gesetzeskraft erhalten.

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Der Blick in die Welt, Thomas Schmid