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Viel Provinz und wenig Geld PDF Drucken

Thomas Schmid, Berliner Zeitung, 18.05.2011


Die griechische Depression hat sich längst von Athen aus bis in den letzten Winkel des Landes ausgebreitet. In Kozani schließen die Zechen, in Naoussa hoffen sie auf Alexander den Großen


KOZANI/NAOUSSA. Die Kundschaft wurde weniger. Eines Tages konnte Dimitris die Miete nicht mehr zahlen. Schließlich räumte er seinen Jeans-Laden, nach nur zwei Jahren. "Wäre ich bloß in Deutschland geblieben", ärgert sich der Grieche, der in Gelsenkirchen Früchte und Gemüse verkaufte, "wir lebten nicht schlecht, aber meine Frau wollte zurück." Nun verbringt er seine Tage auf dem Hauptplatz von Kozani und schlürft kalten Kaffee. Wie Kostas, mit dem Dimitris einst die Schulbank gedrückt hat. Der hat sein Restaurant vor einer Woche dichtgemacht: "Meine Stammgäste aßen immer häufiger selbst am Sonntag lieber zu Hause." Und Orestis, der zwanzig Jahre als Typograf in einer Klitsche arbeitete, die zu Jahresbeginn Insolvenz anmeldete, sagt nur: "Mein Leben ist zu Ende. Mit 45 kriege ich doch nirgends mehr einen Job. Was aus den drei Kindern einmal werden soll, weiß ich nicht. Wahrscheinlich werden sie auswandern."

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Flieger, grüß mir die Sonne PDF Drucken

Thomas Schmid, Berliner Zeitung, 14.05.2011


Psychiater, Abenteurer, Visionär - der Schweizer Bertrand Piccard schickt sein Solarflugzeug auf eine Reise in die Zukunft. Erste Station ist Brüssel


PAYERNE. Langer, schlanker Rumpf, zarte, zerbrechliche Flügel, federleicht. Wie eine riesige Libelle steht die silbergraue "Solar Impulse" in einem Hangar bei Payerne, der wichtigsten Basis der Schweizer Luftwaffe. Und vor dem Flugzeug, das mit einer Spannweite von 63,4 Metern so ausgreifend wie ein Airbus A-340 ist, hält der Mann eine Rede, der als erster ohne Kerosin, nur mit der Energie, die die Sonne so reichlich spendet, die Erde umrunden will: Bertrand Piccard.

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Allein unter Ladys PDF Drucken

Thomas Schmid, Berliner Zeitung, 19.02.2011

Der Schweizer Unternehmer René Mägli stellt in seiner Reederei ausschließlich Frauen ein. Er habe keine Mission, sagt er. Es gehe ihm nur um den Profit

BASEL. Den Rahmen steckt er gleich zu Beginn des Gesprächs ab. "Aus meinem Privatleben werde ich Ihnen nichts erzählen", sagt René Mägli entschieden, aber in durchaus freundlichem Ton, "für eine Homestory bin ich nicht zu haben, da sind Sie an der falschen Adresse." Einladungen zu Talkshows lehnt der heiß begehrte Mann grundsätzlich ab. Man kann sich Mägli, der seine Worte sorgfältig abwägt und geduldig zuhören kann, in einer Fernsehrunde, wo jeder jedem ins Wort fällt, in der Tat schlecht vorstellen. Auch für Konferenzen wird er oft angefragt. "Das schlage ich immer aus", sagt er trocken, "mein Job ist ein anderer, ich bin Geschäftsführer."

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Spiel ohne Grenzen PDF Drucken

Thomas Schmid, Berliner Zeitung, 11.01.2011

Kriegsreporter ist ein gefährlicher Beruf. In einem Kursus bei der Bundeswehr lernen Journalisten, sich im Kampfgebiet zu bewegen - ein Selbstversuch


HAMMELBURG. Im Kriegsgebiet soll man als Journalist nie alleine unterwegs sein. Das ist eine eiserne Regel. Zu viert also - ein Kameramann, eine Reporterin der Deutschen Welle, ein freischaffender Journalist und ich - fahren wir im Kleinbus über den holprigen Weg durch den Wald. Es ist kalt. Weithin keine Seele in dieser Einöde. Da versperren plötzlich aufgeschichtete Äste die Weiterfahrt. Wir schauen uns an. Zum Wenden ist es bereits zu spät. Maskierte Männer reißen die Tür auf, fuchteln mit Kalaschnikows, stoßen uns auf den Weg, schreien uns auf Englisch an: "Los! Los!", "Auf die Knie!", "Hände hinter den Kopf!"In jedem zweiten Satz, den sie bellen, kommt das Wort "fucking" vor. Unter sich sprechen sie russisch.

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In die Freiheit abgeschoben PDF Drucken

Thomas Schmid, Berliner Zeitung, 30.09.2010

Die kubanische Regierung hat in den vergangenen Wochen Dutzende von Dissidenten aus der Haft entlassen. Sie mussten emigrieren. Einige von ihnen beginnen nun ein neues Leben in Spanien

Paris hat den Eiffelturm, Rom das Kolosseum. Aber was hat schon Madrid? Wenn Pablo Pacheco von Madrid geträumt hat, dann dachte er immer an das Bernabéu-Stadion, das 80000 Zuschauern Platz bietet, das Stadion von Real Madrid, seinem Lieblingsverein. Zum Träumen hatte er viel Zeit. Pacheco saß über sieben Jahre in kubanischen Gefängnissen. Nun ist er vierzig und zum ersten Mal im Ausland - in Madrid . Er steht vor dem riesigen Betonklotz und blinzelt gegen das Sonnenlicht an. Das Stadion sieht ziemlich genau so aus, wie er es sich ausgemalt hatte. Was er sich allerdings nicht vorstellen konnte: Allein ein Besuch der Sportanlage an spielfreien Tagen kostet 22 Euro. So viel verdient in Kuba ein Chefarzt im Monat.
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Der Blick in die Welt, Thomas Schmid