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Ein ganz neues Leben PDF Drucken
Von Thomas Schmid - © DIE ZEIT, 02/2000

Ein Stacheldrahtzaun an der Nordspitze Marokkos trennt Afrika von Europa. Tausende versuchen, ihn zu überwinden. Sie haben alles hinter sich zurückgelassen. Sie wollen von vorn anfangen

Europa beginnt in Afrika. Es beginnt an dessen Nordspitze: in Ceuta, der spanischen Exklave an der marokkanischen Küste. Europa ist in Afrika die Hoffnung für Hunderttausende. Fast 2000 Menschen aus fernen Ländern jenseits der Sahara haben es geschafft.
Quer durch die Wüste haben sie sich bis Ceuta durchgeschlagen, das auf der Landzunge unmittelbar gegenüber dem Felsen von Gibraltar liegt. Meist sind es Männer, junge, mobile Männer im Alter von 20 bis 25 Jahren. Sie kommen aus Nigeria, Guinea, Sierra Leone, Liberia, Kamerun, Kongo-Brazzaville und Kongo-Kinshasa. Jetzt stehen sie fest auf dem Boden der Europäischen Union.
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Fernandos Tipp PDF Drucken
Thomas Schmid - Berliner Zeitung - 18.09.1999

Wie ein unerwarteter Lottogewinn ein apulisches Fischerdorf verändert hat


Denkmäler künden in der Regel von großen Männern oder wichtigen Ereignissen. Auch Peschici, ein kleines Fischernest in Apulien, am äußersten Ende des Sporns des italienischen Stiefels, hat einen großen Mann hervorgebracht: Giuseppe Libetta. Er war "Kapitän des ersten Dampfschiffs, das es wagte, das Mittelmeer zu überqueren", wie eine Gedenktafel in einer der engen Gassen für die Nachgeborenen festhält. Und wichtige Ereignisse waren in diesem abgeschiedenen Dorf, in dem der Rhythmus der Jahreszeiten noch das Leben der Menschen bestimmt, eben die Kriege. "Für den ehrenwerten Mann ist es eine schöne und göttliche Sache, als Soldat für das Vaterland zu sterben", so steht es im kleinen Park vor dem Rathaus ins Denkmal für die uniformierten Opfer des Ersten Weltkrieges gemeißelt, "sie fielen im Kampf für die Größe Italiens 1915 1918." Ein Vierteljahrhundert später gab man sich nüchterner. "Gefallen für das Vaterland", heißt es auf einem weiteren Gedenkstein, "in Afrika 1935 1936, in Spanien 1937 1938, im Zweiten Weltkrieg 1940 1945." Monumente der Erinnerung, wie man sie in Italien fast überall antrifft.
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Europas letzte Derwische PDF Drucken
Thomas Schmid | Berliner Zeitung - 14.08.1999

Die Bektaschi in Albanien pilgern zum Fest auf ihren heiligen Berg Tomorr


Der Tomorr ist einer der höchsten Gipfel Südalbaniens. Hier sind noch Falken heimisch und Wölfe. Es herrscht eine heilige Stille in dieser abgeschiedenen Gegend. Doch unten auf der Passhöhe des Kulmak lärmen Tausende, die aus dem ganzen Land zu Fuß, auf Maultieren, mit dem Lastwagen oder Jeep hierher gekommen sind. Männer mit geschulterten Lämmern stapfen den steinigen Weg hoch. Sie haben die Tiere bei einem der Schäfer gekauft, die sich an der Straße zum Pass niedergelassen haben. Hunderte von Lämmern werden Ende August hier oben geschlachtet. Vier Tage lang dauert das Fest, das die Bektaschi jedes Jahr auf dem Tomorr feiern.
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Im Exil in Montenegro PDF Drucken

Thomas Schmid, TAZ, 17.05.1999


Die kleinere jugoslawische Republik wird zum Refugium für Oppositionelle und Deserteure

Nein, nie würde Slobodan Miloevic die Todesstrafe für Zoran Djindjic fordern. Aber als der serbische Oppositionsführer Anfang Mai im Belgrader Staatsfernsehen als Verräter beschimpft wurde, wußte der, daß es höchste Zeit war, sich aus dem Staub zu machen. Er setzte sich nach Montenegro ab, wo er nun unter Polizeischutz lebt. Die Botschaft war unmißverständlich. Immerhin war wenige Wochen zuvor auch der Verleger Slavko Curuvija, der seine in Serbien verbotene Zeitung in Montenegro drucken ließ, um sie danach illegal in Belgrad zu vertreiben, von den Regierungsmedien als Verräter bezeichnet worden. Zwei Tage danach wurde er von einem Killerkommando erschossen.

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Einfach nur überleben PDF Drucken
Thomas Schmid - Berliner Zeitung - 10.10.1998

Über dem Kosovo liegt der Geruch des Krieges. In den Wäldern suchen vertriebene Albaner Schutz vor den Serben

Agim schweigt. Doch als wir durchs dritte niedergebrannte Dorf fahren, zischt er irgendein albanisches Wort, das vermutlich soviel wie "Schweinebande" heißt. Tränen der Wut stehen ihm in den Augen. Zum erstenmal seit vier Monaten ist er in seine Heimatstadt Pec, in den Westen des Kosovo gefahren. Zum erstenmal sieht er mit eigenen Augen, was die Serben angerichtet haben. Er kennt hier jedes Dorf. Es verschlägt ihm buchstäblich die Sprache. Erst beim Checkpoint gewinnt er sie wieder. "Bist du Siptar oder Albaner?" brüllt der Polizist. "Albaner", antwortet Agim trotzig. "Also Siptar", gibt der Serbe zurück, "merk dir das." Siptar ist das serbische Schimpfwort für Albaner.

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Der Blick in die Welt, Thomas Schmid