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Argentinien


Die Dynastie K PDF Drucken
Thomas Schmid - DIE ZEIT, 25.10.2007 Nr. 44

Argentinien wählt sein Staatsoberhaupt. Cristina Fernández de Kirchner wird wohl die Nachfolgerin ihres Mannes. Kandidiert sie, um ihn zu schützen?

Die Trommeln der Gewerkschafter verstummen, die Männer in den blauen Arbeitsanzügen recken die Hälse, irgendwo bellt einer einen letzten Befehl, dann taucht sie in elegantem lachsfarbenem Kostüm auf dem schmuddeligen Platz neben der heruntergekommenen Fabrik auf. Trotz der gefährlich hohen Bleistiftabsätze erklimmt sie mit sicherem Schritt die improvisierte Holzbühne, lächelt, winkt nach allen Seiten, setzt sich hin und streicht mit einer koketten Handbewegung eine Strähne ihrer schulterlangen Haare aus dem Gesicht. »Man nennt mich Königin«, hat sie einmal gesagt, »es gefällt mir.« Am kommenden Sonntag wählt Argentinien, und Cristina, wie sie hier alle nennen, wird zwar nicht Königin, aber doch Präsidentin werden.
Mit vollem Namen heißt sie Cristina Fernández de Kirchner; sie ist die Gattin des amtierenden Präsidenten, der sein Land tatsächlich wie ein König regiert. In seinen vier Jahren Amtszeit hat Néstor Kirchner keine einzige Kabinettssitzung einberufen. Pressekonferenzen gibt er nicht, allenfalls lässt er Journalisten zu Verlautbarungsterminen antanzen.

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Der Faktor K. PDF Drucken
Thomas Schmid - DIE ZEIT 19.05.2004 Nr.22


Nach einem Jahr im Amt ist Néstor Kirchner der populärste Präsident, den Argentinien je hatte.

Buenos Aires
Das Bild ging durch die Presse: Argentiniens gewählter Präsident Néstor Kirchner sieht zu, wie Heereschef Roberto Bendini in der Mechanikschule der Marine (Esma) vor versammeltem Generalstab das Porträt des Diktators Jorge Rafael Videla von der Wand nimmt. Videla hatte 1976 als Heereschef gegen das demokratische Regime geputscht. Die Esma, die berüchtigtste Folterstätte seiner Diktatur, soll eine Mahnstätte werden. Und Bendini tat nur widerwillig, was Kirchner ihm befohlen hatte. Für die Militärs war der symbolische Akt am 24. März, dem Jahrestag des Staatsstreichs, eine Demütigung. Aber der Präsident hatte seinem Volk wieder einmal gezeigt, wer der Herr im Hause ist: er, Kirchner, oder kurz: der „Faktor K.“
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Der Blick in die Welt, Thomas Schmid